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Söldner: Wer für Geld kämpft und warum das Recht sich so schwertut

Zuletzt geprüft  7 Min. Lesezeit

Definition

Ein Söldner ist ein Kämpfer, der vor allem für persönlichen Gewinn an einem bewaffneten Konflikt teilnimmt, ohne Staatsangehöriger einer Konfliktpartei oder Mitglied ihrer Streitkräfte zu sein. Nach Artikel 47 des Ersten Zusatzprotokolls zu den Genfer Konventionen müssen sechs Bedingungen zugleich erfüllt sein; Söldner haben dann keinen Anspruch auf den Kriegsgefangenenstatus.

Bewaffnete private Sicherheitskräfte auf dem Weg zu einem Pick-up an einer Straßensperre in der Wüste

Ein Söldner ist ein Kämpfer, der vor allem für persönlichen Gewinn an einem bewaffneten Konflikt teilnimmt, und zwar für einen fremden Staat oder eine fremde Gruppe, ohne deren regulären Streitkräften anzugehören. Völkerrechtlich ist der Begriff allerdings so eng gefasst, dass kaum jemand darunter fällt. Deshalb taucht das Wort in politischen Reden viel häufiger auf als in Gerichtsurteilen, wie eine Geschichte aus der Zeit des Kalten Krieges zeigt.

Der „lachende Mann“: ein deutscher Söldner im Kongo

1964 stand die junge Republik Kongo vor dem Zerfall. Aufständische, die sogenannten Simba, kontrollierten große Teile des Ostens. Die Regierung in Léopoldville warb Weiße aus Südafrika, Rhodesien, Belgien und Westdeutschland an. Einer von ihnen war Siegfried Müller, ein ehemaliger Wehrmachtsoffizier, den die Presse bald „Kongo-Müller“ nannte.

Bekannt wurde er durch einen Film. 1966 zeigte das DDR-Fernsehen „Der lachende Mann“ von Walter Heynowski und Gerhard Scheumann. Darin plaudert der Söldnerführer lachend über Gewalt, als ginge es um Dienstreisen. Der Film war Propaganda gegen die Bundesrepublik. Er prägte trotzdem das Bild, das viele Deutsche bis heute haben: ein Veteran ohne Sache, der dort antritt, wo bezahlt wird.

Für die 1963 gegründete Organisation für Afrikanische Einheit waren solche Männer aus mehreren Gründen ein Problem:

  • Sie standen häufig gegen Unabhängigkeitsbewegungen oder für Abspaltungen wie in Katanga.
  • Ihre Auftraggeber waren oft schwer zu fassen, weil Geld und Waffen über Mittelsleute flossen.
  • Gefangene lebten in einer rechtlichen Grauzone, weil unklar war, ob sie wie Soldaten zu behandeln waren.

Aus dieser Erfahrung entstand das moderne Recht. Ob Müller heute als Söldner gälte, hängt an sechs Bedingungen.

Was ein Söldner nach dem Völkerrecht ist

Die maßgebliche Definition steht in Art. 47 des Ersten Zusatzprotokolls zu den Genfer Konventionen von 1977, das für internationale bewaffnete Konflikte gilt. Erfasst ist nur, wer alle sechs Merkmale zugleich erfüllt:

  1. Er wurde im In- oder Ausland eigens angeworben, um in einem bewaffneten Konflikt zu kämpfen.
  2. Er nimmt tatsächlich unmittelbar an Feindseligkeiten teil.
  3. Ihn treibt vor allem das Streben nach persönlichem Gewinn, und ihm ist eine Vergütung versprochen, die deutlich über dem Sold vergleichbarer Soldaten der regulären Armee liegt.
  4. Er ist weder Staatsangehöriger einer am Konflikt beteiligten Partei noch in deren Gebiet ansässig.
  5. Er ist kein Angehöriger der Streitkräfte einer Konfliktpartei.
  6. Er wurde nicht von einem unbeteiligten Staat in amtlichem Auftrag entsandt.
Infografik: die sechs Bedingungen aus Artikel 47 für den Söldnerstatus
Fig. 2.1 Nach Artikel 47 ist nur Söldner, wer alle sechs Bedingungen gleichzeitig erfüllt.

Die Rechtsfolge im humanitären Völkerrecht ist ebenfalls schmal. Betroffene sind keine Kombattanten und haben keinen Anspruch auf den Status als Kriegsgefangene. Eine menschliche Behandlung und ein faires Verfahren stehen ihnen trotzdem zu. Das Zusatzprotokoll selbst macht den Söldnerdienst nicht strafbar.

Weiter gehen zwei spätere Verträge: die Konvention der Organisation für Afrikanische Einheit von 1977 und die Internationale Konvention der Vereinten Nationen gegen die Anwerbung, den Einsatz, die Finanzierung und die Ausbildung von Söldnern von 1989. Die UN-Konvention trat 2001 in Kraft und hat 38 Vertragsstaaten, darunter Italien und Belgien. Deutschland hat sie 1990 unterzeichnet, aber nicht ratifiziert; die USA, Russland und Großbritannien sind ihr nicht beigetreten.

Fachleute spotten seit Jahrzehnten über diese Prüfliste. Der britische Historiker Geoffrey Best meinte sinngemäß, wer sich nicht aus der Definition herauswinden könne, habe es verdient, erschossen zu werden, und sein Anwalt gleich mit. Wer in die Armee des Auftraggebers eintritt, den passenden Pass besitzt oder nur Wachdienst leistet, fällt heraus.

Vom Landsknecht bis zur Schweizergarde

Das Wort „Söldner“ kommt von „Sold“, dem Lohn des Kriegers, das wiederum auf die römische Goldmünze Solidus zurückgeht. Bezahlte Kämpfer sind so alt wie organisierte Kriege, besonders die europäischen Jahrhunderte sind voll davon:

Zeit Beispiel
401 v. Chr. Rund zehntausend griechische Söldner dienen dem persischen Prinzen Kyros, beschrieben in Xenophons „Anabasis“.
14. und 15. Jahrhundert Italienische Stadtstaaten mieten Condottieri, Heerführer mit eigener Truppe auf Vertragsbasis.
ab dem späten 15. Jahrhundert Deutsche Landsknechte und Reisläufer aus der Eidgenossenschaft dienen wechselnden Fürsten.
1506 bis heute Die Päpstliche Schweizergarde als Rest dieser Ära.
Dreißigjähriger Krieg Kriegsunternehmer wie Wallenstein stellen Heere auf eigene Rechnung auf.
1776 bis 1783 Hessische Fürsten überlassen Großbritannien Tausende Soldaten für den Krieg in Amerika.

Machiavelli warnte schon 1513 im „Fürsten“, gemietete Truppen seien unnütz und gefährlich, treu nur, solange es nicht ernst wird. Schiller setzte dem hessischen Soldatenhandel in „Kabale und Liebe“ ein bitteres Denkmal. Mit den stehenden Heeren und später der Wehrpflicht galt der bezahlte Kämpfer als Auslaufmodell, bis er nach 1960 in Afrika zurückkehrte.

Söldner oder private Militärfirmen?

Wer heute so bezeichnet wird, arbeitet meist für private Militär- oder Sicherheitsfirmen. In den letzten Jahrzehnten entstand daraus ein Markt:

Söldner (Artikel 47) Private Militär- und Sicherheitsfirmen
Typische Aufgabe Kämpft unmittelbar Bewacht, bildet aus, versorgt, kämpft manchmal
Auftraggeber Eine Konfliktpartei, oft informell Ein eingetragenes Unternehmen mit Vertrag
Status Kein Kriegsgefangenenstatus Meist Zivilisten, Schutz entfällt bei Kampfteilnahme
Regeln Straftat für Vertragsstaaten der UN-Konvention Nationales Recht, Montreux-Dokument von 2008, freiwillige Kodizes

Die französische Fremdenlegion ist der klassische Grenzfall. Ihre Rekruten sind Ausländer und bekommen Sold, gehören aber fest zu den französischen Streitkräften, sodass Bedingung fünf sie ausschließt.

Drei Fälle zeigen, wie verschwommen die Linie ist:

  • Sierra Leone 1995: Die Militärregierung heuerte die südafrikanische Firma Executive Outcomes an, die die Rebellen der RUF binnen Monaten von der Hauptstadt Freetown zurückdrängte. Nach dem Abzug 1997 putschte die Armee.
  • Irak 2007: Wachleute der Sicherheitsfirma Blackwater, im Auftrag des US-Außenministeriums, töteten auf dem Bagdader Nisour-Platz 17 irakische Zivilisten. Mehrere wurden in den USA verurteilt und 2020 begnadigt.
  • Gruppe Wagner: Das russische Netzwerk war ab 2014 in der Ostukraine aktiv, später in Syrien, Libyen, der Zentralafrikanischen Republik und Mali. Die EU verhängte 2021 Sanktionen, die USA stuften Wagner 2023 als transnationale kriminelle Organisation ein. Nach dem Tod von Jewgeni Prigoschin im August 2023 ging ein Großteil des Afrika-Geschäfts an Einheiten unter dem russischen Verteidigungsministerium.
Feldbetten und Ausrüstungskisten in einem Militärzelt eines privaten Stützpunkts
Fig. 2.2 Private Militärfirmen bewegen sich oft zwischen gemieteter Truppe und Logistikdienstleister.

Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Deutschland verbietet seinen Bürgern nicht grundsätzlich den Kriegsdienst für fremde Staaten. Strafbar ist aber das Anwerben: Wer zugunsten einer ausländischen Macht einen Deutschen für deren Wehrdienst anwirbt, dem drohen nach § 109h StGB drei Monate bis fünf Jahre Freiheitsstrafe. Diese Frage wurde 2022 wieder aktuell, als die Ukraine ausländische Freiwillige für ihre Internationale Legion suchte.

Dazu kommt das Staatsangehörigkeitsrecht. Nach § 28 StAG verliert ein Deutscher seinen deutschen Pass, wenn er ohne Zustimmung freiwillig in die Streitkräfte eines Staates eintritt, dessen Staatsangehörigkeit er ebenfalls besitzt. Wer nur Deutscher ist, ist davon nicht betroffen.

Strenger ist ausgerechnet das Land der Reisläufer: Die Schweiz verbietet seinen Bürgern im Militärstrafgesetz den fremden Militärdienst, mit der Ausnahme der Schweizergarde im Vatikan. Österreich wiederum knüpft den freiwilligen Dienst in einer fremden Armee an den möglichen Verlust der Staatsbürgerschaft.

Drei Sichtweisen auf Söldner

Die Ablehnung

Diese Linie reicht von Machiavelli bis zur Politikwissenschaftlerin Sarah Percy. Ihr Buch „Mercenaries“ (2007) argumentiert, bezahlte Kämpfer verletzten zwei verbreitete Überzeugungen: Gewalt soll einer Sache dienen, und eine legitime Autorität soll sie kontrollieren. Für viele postkoloniale Länder geht es zudem um Selbstbestimmung: Wer seine Sicherheit mietet, baut womöglich nie Institutionen auf, die den Bürgern verantwortlich sind.

Der Markt

Manche Fachleute und Branchenverbände halten das Stigma für schädlich. Bezahlte Einheiten seien schneller und günstiger als UN-Blauhelme. Sierra Leone zeige, wie eine starre Regel Zivilisten schutzlos lasse. Statt eines Verbots wollen sie Lizenzen, klare Verträge und die Verfolgung von Übergriffen.

Die Regulierung

Eine mittlere Position, verbunden mit Peter W. Singer („Corporate Warriors“, 2003) und Deborah Avant („The Market for Force“, 2005), akzeptiert, dass Regierungen längst auf private Dienstleister angewiesen sind. Ihr geht es um Verantwortlichkeit: Wer haftet, wenn ein Auftragnehmer Zivilisten tötet? Und verstecken Regierungen Verluste hinter Verträgen? Das Montreux-Dokument, das auch Deutschland, Österreich und die Schweiz unterstützen, gehört zu diesem Ansatz.

Häufige Fragen

Sind Söldner legal?

Nach den Genfer Abkommen ist der Söldnerdienst keine Straftat. Staaten, die der UN-Konvention oder der afrikanischen Konvention beigetreten sind, müssen ihn bestrafen. Viele Länder verbieten ihren Bürgern zudem fremden Kriegsdienst oder dessen Anwerbung.

Ist die Gruppe Wagner eine Söldnertruppe?

Umgangssprachlich ja. Nach Artikel 47 fielen viele ihrer Kämpfer aber heraus, weil sie Russen waren und für Russland, also eine Konfliktpartei, in der Ukraine im Einsatz waren.

Was ist der Unterschied zwischen Söldner und Soldat?

Ein Soldat gehört den Streitkräften seines Staates an und ist Kombattant. Ein Söldner dient einer fremden Partei, ohne in deren Streitkräfte eingegliedert zu sein, und hat deshalb keinen Kombattantenstatus.

Wie viel verdient ein Söldner?

Belastbare öffentliche Zahlen gibt es nicht. Art. 47 verlangt nur eine Vergütung deutlich über dem Sold vergleichbarer Soldaten.

Quellen

  1. IKRK: Zusatzprotokoll I (1977), Artikel 47
  2. UN Treaty Collection: Internationale Konvention gegen die Anwerbung, den Einsatz, die Finanzierung und die Ausbildung von Söldnern, Status
  3. § 109h StGB: Anwerben für fremden Wehrdienst
  4. § 28 Staatsangehörigkeitsgesetz
  5. Sarah Percy: Mercenaries. The History of a Norm in International Relations (Oxford University Press, 2007)
  6. Peter W. Singer: Corporate Warriors (Cornell University Press, 2003)