Definition
Die Eisenhower-Doktrin war eine außenpolitische Erklärung der USA von 1957. Sie bot Staaten im Nahen Osten wirtschaftliche und militärische Unterstützung und auf Anfrage US-Streitkräfte an, falls sie von einem kommunistisch kontrollierten Staat angegriffen würden. Der Kongress billigte sie im März 1957, ihr bekanntester Test war die Landung von US-Marines im Libanon im Juli 1958.
Die Eisenhower-Doktrin war eine außenpolitische Erklärung der USA von 1957. Der US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower bot darin jedem Staat im Nahen Osten wirtschaftliche und militärische Unterstützung an, auf Wunsch auch amerikanische Soldaten, falls er von einem Land angegriffen würde, das vom „internationalen Kommunismus“ kontrolliert wird. Am 5. Januar 1957 stellte er die neue Politik vor dem Kongress vor, im März billigten Senat und Repräsentantenhaus sie.
In deutschen Schulbüchern steht die Eisenhower-Doktrin meist neben der Truman-Doktrin, als weiterer Baustein der Politik des Containment, also der Eindämmung, im Kalten Krieg. Das stimmt im Grundsatz. Ein genauer Vergleich zeigt aber, dass sich beide in Region, Mitteln und Rolle des Parlaments deutlich unterscheiden.
Die Eisenhower-Doktrin auf einen Blick
| Merkmal | Eisenhower-Doktrin |
|---|---|
| Verkündet | 5. Januar 1957, Botschaft an beide Kammern des Kongresses |
| Rechtsform | Gemeinsame Resolution, die „Joint Resolution to Promote Peace and Stability in the Middle East“, unterzeichnet am 9. März 1957 |
| Region | Der Nahe und Mittlere Osten |
| Angebot | Wirtschaftshilfe, Militärhilfe und auf Anfrage US-Streitkräfte |
| Auslöser | Offene bewaffnete Aggression durch einen kommunistisch kontrollierten Staat |
| Geld | Bis zu 200 Millionen Dollar aus bereits bewilligten Mitteln |
| Wichtigste Tests | Jordanien und Syrien 1957, Libanon 1958 |
Warum die USA 1957 handelten: die Sueskrise
Den Anlass lieferte die Sueskrise von 1956. Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser hatte im Juli den Sueskanal verstaatlicht. Das Vereinigte Königreich und Frankreich griffen Ägypten im Herbst gemeinsam mit Israel an. Die Vereinigten Staaten stellten sich gegen ihre eigenen Verbündeten und drängten alle drei zum Rückzug, unterstützt von einer Mehrheit in den Vereinten Nationen.
Für Europa hatte der Konflikt spürbare Folgen. Die beiden alten Kolonialmächte verloren in der arabischen Welt viel Ansehen, und Westeuropa erlebte, wie verwundbar seine Ölversorgung über den Kanal war. Nasser kam gestärkt aus der Auseinandersetzung.
Das Weiße Haus und Außenminister John Foster Dulles sahen darin ein Machtvakuum. Sie fürchteten, dass die Sowjetunion es füllen würde, denn die UdSSR lieferte bereits Waffen an Ägypten und Syrien. Die Antwort der US-Politik: Die USA sollten die Rolle der Ordnungsmacht übernehmen, die bis dahin Großbritannien gespielt hatte.
Was im Text stand
Der Kern war eine Ermächtigung. Nach der Darstellung des Office of the Historian im US-Außenministerium bat der Präsident um die Befugnis, US-Streitkräfte einzusetzen, um „die territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit solcher Nationen zu sichern und zu schützen“, die um Beistand gegen offene bewaffnete Aggression eines vom internationalen Kommunismus kontrollierten Staates bitten (eigene Übersetzung).
Daraus ergeben sich einige Eigenheiten:
- Die Erklärung war einseitig und kein Vertrag. Kein Staat musste etwas unterzeichnen, keiner war automatisch geschützt.
- Unterstützung gab es nur auf Anfrage. Eine Regierung musste ausdrücklich darum bitten, erst dann entschied der Präsident.
- Der Gegner war weit gefasst. Die Formel deckte die Sowjetunion ab, aber auch jeden Staat der Region, den Washington als kommunistisch kontrolliert einstufte.
Gerade dieser letzte Punkt war umstritten. Viele Politiker und Kommentatoren in der arabischen Welt lasen das Programm als Versuch, Nassers arabischen Nationalismus einzudämmen.
Vergleich: Truman-, Eisenhower- und Carter-Doktrin
Die Eisenhower-Doktrin steht in der Geschichte des Kalten Krieges zwischen zwei anderen bekannten Doktrinen. Die Tabelle stellt sie nebeneinander.
| Truman-Doktrin (1947) | Eisenhower-Doktrin (1957) | Carter-Doktrin (1980) | |
|---|---|---|---|
| Anlass | Bürgerkrieg in Griechenland, Druck auf die Türkei | Sueskrise, wachsender Einfluss Moskaus | Sowjetischer Einmarsch in Afghanistan |
| Region | Griechenland und Türkei, Anspruch weltweit | Der gesamte Nahe Osten | Der Persische Golf |
| Gegner | Bewaffnete Minderheiten und äußerer Druck | Kommunistisch kontrollierte Staaten | Jede äußere Macht, die den Golf kontrollieren will |
| Mittel | 400 Millionen Dollar Wirtschafts- und Militärhilfe | Hilfsgelder plus Angebot von US-Streitkräften | Militärische Gewalt als ausdrückliche Option |
| Rolle des Kongresses | Bewilligte das Geld | Billigte den Einsatz von Gewalt im Voraus | Keine eigene Ermächtigung |
| Form | Rede vor dem Kongress | Gemeinsame Resolution | Rede zur Lage der Nation |
Truman und Eisenhower: gleiche Logik, andere Mittel
Harry S. Truman erklärte am 12. März 1947 vor dem Kongress, die USA würden alle „freien Völker“ unterstützen, „die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen“. So zitiert es die Bundeszentrale für politische Bildung. Trumans Erklärung war allgemein formuliert und finanzierte vor allem ein konkretes Programm. Schon sie zeichnete die Welt als Konflikt zwischen USA und Sowjetunion.
Die Eisenhower-Doktrin ging weiter. Sie nannte eine bestimmte Region und ließ sich den militärischen Einsatz vorab vom Kongress genehmigen.
Eisenhower und Carter: vom Kommunismus zum Öl
Jimmy Carter erklärte im Januar 1980, jeder Versuch einer äußeren Macht, die Kontrolle über den Persischen Golf zu gewinnen, werde als Angriff auf vitale Interessen der USA gewertet. Manche Historiker sehen die Eisenhower-Doktrin als Vorläufer. Anders als 1957 setzte Carter keine Anfrage einer Regierung der Region voraus, und im Mittelpunkt stand offen die Sicherheit der Ölversorgung, die auch für Europa entscheidend war.
Und die NATO?
Wer aus deutscher Sicht vergleicht, denkt an die NATO. Dort gilt nach Artikel 5 ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle. Die Politik von 1957 kannte keine solche Beistandspflicht, sie band Washington an keinen Partner der Region.
Der Test im Libanon 1958
Dreimal wurde die neue Linie während der folgenden Monate auf die Probe gestellt:
- Jordanien, April 1957: König Hussein geriet unter Druck nasserfreundlicher Offiziere und Politiker. Die USA schickten die Sechste Flotte ins östliche Mittelmeer und gewährten dem König Soforthilfe.
- Syrien, 1957: Washington fürchtete eine moskaunahe Führung in Damaskus. Die Türkei zog Soldaten an der Grenze zusammen, Moskau drohte Ankara, die Lage beruhigte sich ohne Anfrage nach US-Truppen.
- Libanon, Juli 1958: Im Februar hatten sich Ägypten und Syrien zur Vereinigten Arabischen Republik zusammengeschlossen. Am 14. Juli stürzte ein Putsch die prowestliche Monarchie im Irak. Am Tag darauf landeten auf Bitten von Präsident Camille Chamoun US-Marines bei Beirut, die Operation hieß „Blue Bat“.

Eine Invasion von außen gab es im Libanon allerdings nicht. Chamoun kämpfte gegen einen inneren Aufstand. Ihn hatten umstrittene Wahlen von 1957 und der Streit angeheizt, ob er eine zweite Amtszeit anstreben würde. Die Begründung stützte sich auf das Völkerrecht: Vor dem UN-Sicherheitsrat beriefen sich die USA auf das Recht zur kollektiven Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UN-Charta, formell angewendet wurde die Doktrin nicht. Nachdem das libanesische Parlament Armeechef Fuad Schihab am 31. Juli zum neuen Präsidenten gewählt hatte, zogen die Amerikaner im Oktober 1958 wieder ab.
Erfolg oder Fehlschlag?
Historiker sind bis heute uneins, und beide Lager können sich auf die Ereignisse von 1957 und 1958 stützen.

Ihre Befürworter führen an:
- Sie machte die amerikanische Verpflichtung nach Suez klar sichtbar.
- Jordanien und der Libanon blieben unabhängig und prowestlich.
- Der Libanon-Einsatz endete mit wenigen Opfern und einer politischen Lösung.
Ihre Kritiker wenden ein:
- Sie behandelte den arabischen Nationalismus, als wäre er Kommunismus.
- Die offene Gegnerschaft zu Nasser trieb Kairo und Damaskus eher näher an Moskau und belastete die Beziehungen zur arabischen Welt.
- Der Umsturz im Irak zeigte, dass Hilfsgelder und Kriegsschiffe innere Umbrüche nicht verhindern.
Eine dritte Debatte betrifft die Gewaltenteilung. Einige Abgeordnete warnten, eine vorab erteilte Ermächtigung gebe dem Präsidenten zu viel Macht über Krieg und Frieden. Die gleiche Frage kehrte 1964 bei der Tonkin-Resolution zurück. In Deutschland ist das anders geregelt: Bewaffnete Einsätze der Bundeswehr brauchen nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1994 die Zustimmung des Bundestages im Einzelfall.
Häufige Fragen zur Eisenhower-Doktrin
Was war das Ziel der Eisenhower-Doktrin?
Sie sollte den Einfluss Moskaus aus dem Nahen Osten fernhalten. Dazu versprachen die USA Staaten, die darum baten, wirtschaftliche und militärische Unterstützung und notfalls eigene Soldaten.
Was ist der Unterschied zur Truman-Doktrin?
Truman gab 1947 ein allgemeines Versprechen an „freie Völker“ und finanzierte Programme für Griechenland und die Türkei. Die Eisenhower-Doktrin galt nur für den Nahen Osten und enthielt eine vorab gebilligte Option für den Einsatz von US-Streitkräften.
Wie reagierten die arabischen Staaten?
Der Libanon begrüßte das Angebot, die irakische Monarchie stand ihm nahe. Ägypten und Syrien lehnten es als Einmischung des Westens ab, und ein großer Teil der arabischen Öffentlichkeit sah das ebenso.
War die Eisenhower-Doktrin erfolgreich?
Darüber urteilen Historiker unterschiedlich. Befürworter verweisen darauf, dass Jordanien und der Libanon im westlichen Lager blieben. Kritiker betonen, dass der Aufstieg des arabischen Nationalismus und die Annäherung von Kairo und Damaskus an die Sowjetunion weitergingen.
Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung: 12. März 1947, Verkündung der „Truman-Doktrin“
- Office of the Historian, U.S. Department of State: The Eisenhower Doctrine, 1957
- Dwight D. Eisenhower: Special Message to the Congress on the Situation in the Middle East, 5. Januar 1957
- Joint Resolution to Promote Peace and Stability in the Middle East, Public Law 85-7 (9. März 1957)
- Salim Yaqub: Containing Arab Nationalism. The Eisenhower Doctrine and the Middle East (University of North Carolina Press, 2004)